Geschichte

Der Künstler Heinz Reifler, sein Werk

1968 – 2013

Text: Liselotte Reifler

Heinz Reiflers Lebenszentrum und die künstlerische Tätigkeit finden beides in den eigenen 4 Wänden in der Wohnung in Untersiggenthal im Aargau statt.
Er ist Partner, Vater und Erzieher des Sohnes, Hausmann und Künstler. Eine Lebensgemeinschaft, ein zu jener Zeit einzigartiges Lebensmodel.
Sein künstlerisches Werk entsteht in einem Raum von 14 Quadratmetern, dem Atelier in der Wohnung. Heinz Reifler findet immer Möglichkeiten sich zu befreien. Auf einem an die Wand gestelltem grossen Brett wird die Leinwand separat aufgespannt. Dies erlaubt ihm mit den Farben und dem Pinsel vor der Leinwand zu tanzen und die Form zu sprengen.

1971 – 1975: Abstrakte und konkrete / konstruktive Kunst

In der Anwendung von Primärfarben entstehen von Heinz Reifler grossformatige Punktbilder auf Leinwand. Geometrische Flächen werden mit farbigen Punkten und Kreisen gefüllt. Die Punkte sind oft in Streifen angeordnet. Jeder Punkt ist minutiös mit dem Zirkel gezogen. Die vielen ersichtlichen Einstichlöcher erzählen davon. Dies weist auf die akribische Entstehung und die Arbeitsweise des Künstlers hin, inklusive auf die präzise Malweise mit dem Pinsel.

Systeme und Strukturen werden sichtbar gemacht.

Ostschweizer Künstler ab 1971 – 1975

In der St. Galler und Ostschweizer Künstlergruppe stand eine Ausstellung in Lausanne im Kunsthistorischen Museum an. Heinz Reifler schwebten Arbeiten mit Naturmaterialien vor. Archaisch, authentisch und elementar.

Werke mit Leinwand, gebohrten grossen Steinen, Schnüren und Sand entstanden. Zum Beispiel ein Himmel: Ein grosser Baldachin aus Leinwand abgehängt von der Decke, mit Sand beschwert und an Seilen gehängte Steine, die aus dem Himmel «hervorschwebten» oder «geschleudert» wurden (auch hier schon das Thema «katastrophenähnlich»).

Die Wohnung in Untersiggenthal war zu klein für das Werken. Das Bohren der Steine wurde durch die Benutzung des Gartens einer befreundeten Nachbarsfamilie ermöglicht. Die Steine wurden zusammen mit dem kleinen Sohn Iwan aus der Kiesgrube im Siggenthaler Feld geholt. Die vielen Haselstecken, mit denen Heinz Reifler arbeitete und experimentierte stammten vom Rand der Limmatböschung.

Erst kurz vor Heinz Reiflers Tod, wurde der Sandhimmel entsorgt. Er lag über all die Jahre hinweg unbeachtet und zusammengefaltet im Atelier. Etwas später erkundigte sich Thomas Schmutz, Kurator, Aargauer Kunsthaus, Aarau, nach dem Himmel.

1975 Leonardo und Silberstiftzeichnungen

Heinz Reifler ist immer wieder Schöpfer neuer kreativer Ideen. Er bestellt über einen Zürcher Buchhändler Bücher über Leonardo da Vinci (der Sammlung Windsor) aus England.

Die Beschäftigung mit dem Universal- und Renaissance Genie führte ihn zu einer neuen Auseinandersetzung und Begegnung mit der Zeichnung und deren Ausführung. Er greift auf die mittelalterliche Zeichentechnik des Silberstiftes zurück und entdeckt die Spannung dieser Technik und Zeichnung, und die Mechanik des grossen Künstlers. Die Zeichenpapiere müssen vorbehandelt werden, damit der Silberstift zeichnet. Für Heinz Reifler kein Problem.

Die Serie «Barocke Mechanik» und eine Serie von «Katastrophenbildern» im Aargau mit dem Silberstift entstehen.

1985 – 1989

Ausstellungen geben neuen Mut und eine neue Qualität der Orientierung. Dies beinhaltet eine lange und konstruktive Phase.

So entstehen grossformatige Balkenbilder, inspiriert durch den Appenzeller Baumeister Grubenmann. Es sind Balkenformationen schwebend im Raum in unterschiedlichen Farben und Richtungen. Aufbauend, mit betonten Flächen, farbig und abstrakt, mit Lichteffekten. Diese Bilder entstehen in diversen Variationen in der Form und Farbe. Grossformatige Arbeiten auf Leinwand. Triptychons.

In Brugg und in Zürich stellte Heinz diese neuen Arbeiten aus.

1991 – 1994

Eine Weiterführung des künstlerischen Ausdrucks, wahrscheinlich aus der Beschäftigung mit den Balkenbildern, sind die monochrom farbigen, rechteckigen Tafeln und farbigen Quadrate auf Leinwand, die zusammengefügt neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Multiples.

Ein grossartiges Beispiel sind die Ausstellungen im Rathaus Aarau und im Gemeindehaus Untersiggenthal.

Im Gemeindehaus Untersiggenthal experimentierte Heinz Reifler zusätzlich mit Bodenplatten und körnigem, buntem Granulat.

Computerarbeiten 1990 und später

Mit den ersten in Europa erhältlichen 16-Kilobite-Rechnern versucht Heinz bereits diese neuen technischen Möglichkeiten künstlerisch zu nutzen. Autodidaktisch schreibt er eigene Programme und schafft so ganz neue Bilder und Zeichnungen. Jetzt entstehen in verschiedenen Maltechniken und im Matrix-Druck Zahlenbilder nach dem Zufallsprinzip. Diese Arbeiten werden auf einem eigenen grossen Epson Drucker ausgedruckt. Heinz experimentiert mit dem Zufall und mit diversen Formen. Eine spannende Zeit.

Später bezieht er die ersten digitalen Kameras in diese schöpferischen Arbeiten mit ein. Als der teure A3 Drucker ausfällt und nicht repariert werden kann, ist dies ein riesiger Verlust und ein grosses Hindernis für weitere Arbeiten.

Einige Computer-Arbeiten sind auch in der Sammlung des Aargauer Kunsthauses zu sehen.

Wandbild

Ein öffentlicher Auftrag in der Schule Mellingen zeigt ein grosses Wandbild mit dem Namen «Reuss».